Beratung und Service für das Handwerk

Fachhandwerk verärgert über Chaos bei der Heizungspolitik // Fachinnungen üben scharfe Kritik an der Portalabschaltung für Förderanträge.

Anfang der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Förderung für den Heizungstausch (Bundesförderung energieeffiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen, BEG-EM) kurzfristig geändert wird. Am Mittwochabend bereits beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestags die Änderungen, das Förderportal wurde direkt abgeschaltet.

Mit ihrem Handeln bringt die Bundesregierung derzeit das Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk (SHK) und das Elektrohandwerk massiv gegen sich auf.

„Für solche Fälle muss von der Politik umgehend eine Übergangslösung gefunden werden,
damit das Vertrauen in die Politik nicht noch weiter verloren geht“.
Joachim Butz, Obermeister der Innung für Sanitär und Heizung

 

Der Obermeister der Innung für Sanitär und Heizung Joachim Butz berichtet, dass die unangekündigte Abschaltung des KFW-Portals viele SHK-Fachbetriebe vor erhebliche Probleme gestellt und für große Verärgerung bei den Betrieben und Verbrauchern geführt hat. Zwischen der Auftragserteilung durch den Kunden und der Förderantragsstellung durch den Fachbetrieb liegen aus betrieblichen Gründen meist mehrere Tage. Mit der unabgestimmten Abschaltung des Portals bestand für die Fachbetriebe, die bereits den Kundenauftrag zur Heizungssanierung hatten, nicht mehr die Möglichkeit den Förderantrag bei der KFW zu stellen. Die Kunden machen nun den Handwerker verantwortlich, wenn dadurch erhebliche Fördergelder verloren gehen. „Für solche Fälle muss von der Politik umgehend eine Übergangslösung gefunden werden, damit das Vertrauen in die Politik nicht noch weiter verloren geht“, fordert Butz in seinem Apell an die Verantwortlichen in Berlin.

„Der Ärger der Fachbetriebe schlägt derzeit nicht nur bei der SHK- Innung sondern auch bei der Elektroinnung auf“,
sagt auch deren Obermeister Andreas Kling.

Die Hilferufe der Handwerksmeister an die Innung klingen durchweg dramatisch:

„Ich habe es am Mittwoch bis 23.30 Uhr probiert und kam nicht in das Förderportal hinein und dann wieder um 3.30 Uhr. Da war dann die Meldung, dass Wartungsarbeiten stattfinden bzw. das ich keinen gültigen Zugang habe. Die haben uns schlichtweg verarscht und das können wir uns nicht so gefallen lassen!“
Frank Bossert, Geschäftsführer Bossert GmbH

„Es ist schon ein Armutszeugnis mit was für blindem Aktionismus in Berlin gehandelt wird“.
Benjamin Gaag, Geschäftsführer HTE GmbH

„Diese Willkür der Politik ist wirklich unglaublich – vor lauter Angst, es könnten noch zu viele Förderanträge kommen.
Die würgen den Markt jetzt wieder völlig ab.

Ulrich Hammer, Geschäftsführer Willi Hammer GmbH

 Viele Familien stehen vor Investitionsentscheidungen in einer Größenordnung von mehreren zehntausend Euro. Zahlreiche Fachbetriebe haben auf Grundlage der bestehenden Förderbedingungen beraten, geplant und Angebote erstellt. Wenn diese Rahmenbedingungen ohne ausreichende Übergangsfristen geändert werden, fehlt Eigentümern, Hausverwaltungen und Fachbetrieben die notwendige Planungssicherheit und es entsteht zwangsläufig Frust – bei den Kunden ebenso wie im Handwerk.

 

„Das Chaos in der Wirtschaftspolitik führt nicht nur zur Verunsicherung, es verzögern oder verhindert wichtige Investitionen in die Gebäudemodernisierung und die Energiewende. Wann hört man in Berlin endlich auf die Fachleute im Handwerk?“ 
 Andreas Kling Obermeister der Elektroinnung

 

Noch schwerer wiegt der dadurch entstehende Vertrauensverlust, denn Vertrauen ist die Grundlage jeder Investitionsentscheidung. Andreas Kling bringt es auf den Punkt und sagt: „Das Chaos in der Wirtschaftspolitik führt nicht nur zur Verunsicherung, es verzögern oder verhindert wichtige Investitionen in die Gebäudemodernisierung und die Energiewende. Wann hört man in Berlin endlich auf die Fachleute im Handwerk?“

Dass das Chaos in Berlin das Fachhandwerk zunehmend auf die Palme bringt, wurde auch beim Fachverbandstag des Baden-Württembergischen SHK-Handwerks, der am Freitag und Samstag in Rust stattfand, deutlich.

Der Vorsitzende Stefan Menrad forderte dort von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, um Kunden fachgerecht beraten, Angebote seriös kalkulieren und Maßnahmen sauber umsetzen zu können.            Das Portal für Förderanträge soll voraussichtlich ab 21. Juli wieder geöffnet werden. Allerdings zu den neuen Förderbedingungen. Das hilft den Verbrauchern, die einem Fachbetrieb im Vertrauen auf die bei der Auftragserteilung gültigen Fördersummen bereits einen Auftrag erteilt haben, nicht wirklich weiter.

Das Hin- und Her der letzten Jahre bremst die Modernisierung des Gebäudebestands, verunsichert Verbraucher und erschwert den Betrieben eine verlässliche Unternehmensplanung.