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Jahreshauptversammlung der KFZ-Innung im Zeichen des Umbruchs

Pforzheim/Enzkreis. Die 81. Jahreshauptversammlung der KFZ-Innung Pforzheim-Enzkreis stand am Mittwochabend ganz im Zeichen des Umbruchs – personell wie inhaltlich. Zahlreiche Vertreter aus Handwerk, Politik, Versicherungswesen und Bildungseinrichtungen waren der Einladung gefolgt und unterstrichen damit die Bedeutung der Branche in der Region.

Im Mittelpunkt der Versammlung standen neben richtungsweisenden Entscheidungen auch zahlreiche Ehrungen verdienter Persönlichkeiten. Besonders gewürdigt wurde Matthias Morlock, der nach langjähriger Tätigkeit als Geschäftsführer in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ebenso wurden Peter Sommer und Martin Lins für ihr langjähriges Engagement in der Schiedsstelle verabschiedet. Die Innung dankte ihnen für ihren Einsatz und ihre prägende Arbeit über viele Jahre hinweg.

Auch personell stellte sich die Innung für die Zukunft neu auf: Mit Dieter Taubert (Engel Rent + Service, Knittlingen) wurde ein neues Vorstandsmitglied gewählt. Zudem wurde die Neuaufstellung in der Führung des Gesellenprüfungsausschusses bekanntgegeben. Verstärkung erhält außerdem die Schiedsstelle Nordschwarzwald durch neue Mitglieder.

Ein emotionaler Moment der Veranstaltung war zudem das Gedenken an verstorbene Mitglieder, insbesondere an Roland Bechtold, der sich über viele Jahre hinweg in verschiedenen Funktionen ehrenamtlich engagiert hatte.

Inhaltlich prägte vor allem die Rede von Obermeister Timo Gerstel den Abend. Er machte deutlich, dass sich die Branche – ähnlich wie viele andere Handwerksgewerke – aktuell mit tiefgreifenden Herausforderungen konfrontiert sieht. So sprach er unter anderem die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Schadenregulierung an, etwa durch steigende Regressforderungen und aufwendige Abstimmungsprozesse mit Leasinggesellschaften. Werkstätten sähen sich hier häufig mit Misstrauen konfrontiert und müssten ihre Arbeit zunehmend detailliert nachweisen.

Ein weiteres zentrales Problem sei die weiterhin angespannte Ersatzteilsituation. Fehlende oder verspätet verfügbare Teile führten dazu, dass Fahrzeuge teils über Tage oder Wochen in den Betrieben stehen und wertvolle Kapazitäten blockieren. Gleichzeitig steige das Durchschnittsalter der Fahrzeuge stetig an – zuletzt auf über zehn Jahre –, was den Wartungsbedarf zusätzlich erhöhe.

Auch im Arbeitsalltag der Betriebe sieht Gerstel wachsende Herausforderungen. Neben wirtschaftlichen Unsicherheiten und steigenden Kosten nannte er insbesondere den zunehmenden Druck im Kundenumgang sowie Veränderungen im Verhalten von Mitarbeitern und Auszubildenden. Themen wie Smartphone-Nutzung während der Arbeitszeit oder veränderte Anforderungen in der Ausbildung würden den Werkstattalltag zusätzlich erschweren.

Gleichzeitig betonte der Obermeister die zentrale Rolle des Handwerks in der Gesellschaft und rief zu mehr politischer Unterstützung auf. Bürokratieabbau, bessere Rahmenbedingungen und eine stärkere Wertschätzung des Handwerks seien dringend erforderlich. „Wir sind das Handwerk“, so Gerstel, „und wir werden nicht aufhören, unsere Anliegen klar zu formulieren.“

Trotz aller Herausforderungen wurde im Verlauf des Abends deutlich: Die KFZ-Innung befindet sich in einem aktiven Veränderungsprozess. Der Tenor der Veranstaltung war geprägt von Zuversicht und dem gemeinsamen Willen, die Zukunft der Branche aktiv zu gestalten.